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22.01.2020 - Übersetzung

Geschätzte Lesezeit: 5 Minuten

Die Schweiz ist eine Insel, umgeben von Land. Dies trifft nur schon aufgrund unserer einzigartigen sprachlichen Begebenheiten zu. Geografisch eingenistet zwischen Deutschland, Österreich, Italien, Liechtenstein und Frankreich, spüren wir die Einflüsse unserer Nachbarn – linguistisch wie auch kulturell. Wir fahren «Velo», aber bitte ohne accent aigu, essen «Spaghetti» mit «h» und gehen abends lieber in die «Beiz» statt in die Kneipe für unser «Fiirabigbier».

 

So sind wir Eidgenossen halt. Wir reden gerne mit, meist höflich und formell. Wir sind urchig und doch innovativ, traditionell und doch multikulti. Man könnte sagen, dass wir ein eigenartiges Völkchen sind. Bei uns trifft man in jeder Himmelsrichtung eine der vier Landessprachen an. Ein spezielles Erlebnis für Besucher und Einheimische zugleich, wenn man nach einer kurzen Zugfahrt über den Röstigraben am Bahnhof aussteigt und plötzlich Französisch statt Schweizerdeutsch hört. Wir freuen uns, wenn wir am Skilift im Bündnerland mit einem freundlichen «Allegra» oder «Bun di» gegrüsst werden und fahren gerne für ein langes Wochenende ins Tessin, um unsere Italienischkenntnisse wieder einmal aufzufrischen.

 

In diesem Beitrag widmen wir uns der meistgesprochenen Landessprache, Schweizerdeutsch, und den daraus entstehenden Helvetismen.

 

Schweizer Hochdeutsch, Schweizerdeutsch und Mundart – Was ist was?

Beim Schweizer Hochdeutsch handelt es sich um eine Standardvarietät der deutschen Sprache. Im Gegensatz zum Schweizerdeutschen gibt es hier eine einheitliche Verschriftlichung mit einem offiziellen Regelwerk. Dadurch kann klar definiert werden, was richtig und was falsch geschrieben ist. Das offizielle Nachschlagewerk ist der Schweizerhochdeutsche Duden.


Schweizerdeutsch hingegen ist keine eigene Sprachvarietät, sondern der Überbegriff für sämtliche Dialekte der deutschsprachigen Schweiz. Diese werden fast nur mündlich verwendet und haben keine offizielle Schriftform.


Mundart wird meist der Bezeichnung Dialekt gleichgestellt und weist regionale Sprachunterschiede auf. So gibt es zum Beispiel Bärndütsch, Baseldytsch oder Züritüütsch. Wenn man es ganz genau nimmt, ist Mundart jedoch noch einmal eine Untergruppierung des Dialekts. Innerhalb eines Kantons können sich diverse Arten von Mundart in der Aussprache unterscheiden.

Eine Sprache für sich

Zugegeben, die schweizerdeutsche Sprache zu meistern ist keine einfache Aufgabe. Gerade unsere deutschen Nachbarn verstehen oft nur Bahnhof, wenn wir mit unseren verschiedenen Dialekten erst richtig loslegen. Die grenznahen Bayern mögen uns vielleicht noch einigermassen verstehen, doch geht man von München aus in Richtung Norden, wird es mit dem sprachlichen Verständnis schwierig. Für einen Hamburger mag Schweizerdeutsch eher wie organisiertes Kauderwelsch klingen. Missverständnisse sind vorprogrammiert.

 

So hat sich die norddeutsche Arbeitskollegin umsonst über das vermeintlich kostenlose Mobiltelefon gefreut, als die Verkäuferin ihr sagte: «Ich gib Ihne es Telefon». Dies bedeutet in der Schweiz nämlich nicht, dass man ein «Handy» gratis offeriert bekommt, sondern lediglich, dass man einen Anruf erwarten darf. Auch dass «zügeln» nichts mit Zugfahren zu tun hat, ist mittlerweile klar. Wir nehmen es mit Humor und helfen gerne mit der Übersetzungsarbeit zwischen Schweizerdeutsch und Hochdeutsch.

 

Sprache ist dynamisch – Schweizerdeutsch im Wandel

Lange wurde Schweizerdeutsch von unseren deutschsprachigen Nachbarn als «minderwertiges» oder gar «falsches» Deutsch angesehen. Mittlerweile hat sich jedoch einiges getan. Obschon die Einwanderung von Deutschen in die Schweiz rückläufig ist, gehören sie mit über 300’000 Personen dennoch klar zu den grössten ausländischen Bevölkerungsgruppen in der Schweiz. Und die deutschen Kollegen sind durchaus bemüht, sich mit der schweizerdeutschen Sprache anzufreunden oder sogar aktiv «es bitzeli Schwiizerdütsch» zu lernen. Dabei helfen Sprachkurse wie sie zum Beispiel die Migros Klubschule oder die TLC Sprachschule in Baden anbietet. Dadurch wird immer klarer, dass es sich nicht um minderwertigeres Deutsch, sondern schlichtweg um eine Variation der deutschen Sprache handelt.


Die schweizerdeutsche Sprache befindet sich in einem kontinuierlichen Wandel und die Verschriftlichung der Mundart ist in vollem Gange. Wir kommunizieren auf WhatsApp und anderen sozialen Medien mit Freunden in Mundart und sehen bzw. hören Werbung in Schweizerdeutsch. Zudem gibt es zum Beispiel das Buch «Baseldeutsch-Grammatik», in dem Wesen, Struktur und Funktion der baselstädtischen Mundart beschrieben sind.


Doch auch das Schweizer Hochdeutsch entwickelt sich ständig weiter. Der Schweizerhochdeutsche Duden nimmt laufend neue Helvetismen auf. Als solche bezeichnet man Wörter, die fast ausschliesslich in der Deutschschweiz gängig sind, wie beispielsweise «Gipfeli» oder «Zucchetti». Einige Helvetismen haben sich aber auch über unsere Landesgrenzen hinaus als gängige Begriffe im Deutschen durchgesetzt wie etwa das Wort Müsli (Schweizer Schreibeweise: Müesli). Zudem zeichnen sich Helvetismen durch weitere sprachliche Besonderheiten wie Wort-und Satzbildung, Rechtschreibung und Aussprache aus (siehe Tabelle 2).


Auch gibt es offizielle Ressourcen wie beispielsweise Termdat, die mehrsprachige Terminologie-Datenbank der Schweizer Bundesverwaltung. Hier finden Sie kostenlos die schweizerische Rechts- und Verwaltungsterminologie sowie die Terminologie der öffentlichen Verwaltung in allen vier Landessprachen der Schweiz und in Englisch. Nebst den Übersetzungen der Fachbegriffe aus diversen Sektoren bietet die Seite zudem auch die jeweiligen Erläuterungen. Ausserdem bietet die Bundeskanzlei diverse Sprachweisungen und Leitfäden, die beim Schreiben und Redigieren amtlicher Texte als Richtlinien dienen.

Schweizer Hochdeutsch ist salonfähig

Auch wenn Schweizerdeutsch noch ab und zu als Verniedlichung der deutschen Sprache angesehen wird, ist Schweizer Hochdeutsch durchaus salonfähig – und dies nicht zuletzt auch im Geschäftsalltag. Einige Begriffe sind für uns Schweizer schon seit langer Zeit so tief in unserer alltäglichen Kommunikation verankert, dass wir uns deren schweizerischen Ursprungs gar nicht mehr aktiv bewusst sind. Hätten Sie sämtliche Helvetismen aus Tabelle 1 als solche erkannt?

 

Doch nicht nur die Helvetismen unterscheiden sich, auch bei ihrer Begriffsbildung gibt es Abweichungen zwischen Schweizer Hochdeutsch (CH-DE) und Hochdeutsch (DE-DE). Tabelle 2 zeigt einige Beispiele:

 

Eben nicht Hans was Heiri

Was heisst das nun für Unternehmen und Organisationen?
Zu einer zielgruppengerechten Unternehmenskommunikation gehört die richtige Wahl der Sprache. Deutsch ist eben nicht gleich Deutsch und dasselbe gilt auch für Französisch, Italienisch, Englisch, Spanisch usw.


Bleiben wir in der Deutschschweiz: Soll der Werbeslogan nun auf Hochdeutsch, Schweizer Hochdeutsch oder Schweizerdeutsch verfasst respektive übersetzt werden?


Ein hochdeutscher Slogan wie «Klasse, daβ Sie mit uns in den Urlaub fahren» mag in Deutschland funktionieren, aber in der Deutschschweiz? Ein schweizerdeutscher Slogan wie «Häsch dini Ovo hüt scho ghaa?» mag für Wander AG funktionieren, aber passt er auch zu einer ausländischen Firma, die direkt im Deutschschweizer Markt werben will?


Wer in der Schweiz professionell kommunizieren will, sucht sich am besten einen passenden Sprachpartner, der mit den linguistischen Begebenheiten der Schweiz vertraut ist und sich Ihres kostbarsten Guts annimmt – Ihrer Reputation. In der Deutschschweiz, in der Romandie, im Tessin und in Graubünden.


SwissGlobal ist eine ISO-zertifizierte Schweizer Sprachdienstleisterin, die mit erfahrenen Fachübersetzern zusammenarbeitet. Bei uns wählen Sie passend zu Ihrer Zielgruppe die richtige Sprache und können sich darauf verlassen, dass Helvetismen berücksichtigt werden und sich Leser aus der Schweiz auch wirklich abgeholt fühlen. Alle unsere Sprachen im Angebot finden Sie hier.

 

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