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24.11.2020 - Übersetzung

Geschätzte Lesezeit: 5 Minuten

Das Coronavirus traf die Welt unvorbereitet und mit voller Wucht. In der Wirtschaft sorgt es für massive Umbrüche. Alle Prognosen und Vorhersagen wurden praktisch über Nacht über den Haufen geworfen. Im Arbeits- und Wirtschaftsleben vollzogen sich seit Beginn der Pandemie grundlegende strukturelle Veränderungen: vom Umzug vieler Beschäftigter ins Homeoffice bis hin zum dramatischen Rückgang von Welthandel, Investitionen und Reiseverkehr. Die vielerorts steigenden Fallzahlen und erneuten Lockdowns, die bis Ende Jahr andauern könnten, zeigen: Wir sind noch nicht über den Berg. So warnte der Internationale Währungsfonds (IWF) in seinem noch recht zurückhaltend formulierten Ausblick: «Auf ihrem langen Weg zurück zum Vorkrisenniveau bleibt die Weltkonjunktur anfällig für Rückschläge.»


Einigen Branchen ist es gelungen, die Krise als Chance für Veränderungen zu nutzen. Zu ihnen gehört auch der Sprachdienstleistungssektor. So kam der 2020 European Language Industry Survey – eine jährlich vom europäischen Dachverband EUATC (European Union of Associations of Translation Companies) durchgeführte Befragung von Branchenakteuren in 45 Ländern – zu dem Schluss, dass Sprachdienstleister besser als die meisten anderen gegen die Pandemie gewappnet waren.

 

Dafür gibt es drei Gründe: Erstens war die Arbeit im Homeoffice in vielen Agenturen schon vor Ausbruch der Pandemie üblich und vertraut. Zweitens erstrecken sich die Tätigkeiten der meisten Übersetzungsdienstleister über alle Wirtschaftssektoren. Deshalb sind sie weniger anfällig für abrupte wirtschaftliche Veränderungen. Und drittens wurde im Verlauf der Gesundheitskrise eine Flut von Inhalten im Zusammenhang mit dem Coronavirus produziert. All diese Texte mussten – insbesondere bei internationalen Unternehmen – übersetzt werden, um die gesetzlichen Bestimmungen einzuhalten.


Aus ebendiesen Gründen zieht die Sprachdienstleistungsbranche mehr angehende Übersetzer, Texter, Korrekturleser und Post-Editoren an als in früheren Jahren. Sie gilt als relativ sicherer Hafen, in dem Tausende (vielleicht sogar Zehntausende) von Erwerbstätigen, die dieses Jahr ihre reguläre Arbeit verloren haben, nun in der Hoffnung auf ein stetiges Einkommen ihr Glück versuchen. Ein Artikel im Nachrichtenmagazin Time sieht diese Entwicklung als Teil eines umfassenderen gesellschaftlichen Trends zur freiberuflichen Tätigkeit, der wiederum zu mehr Wettbewerb führt.


Das Ende dieses langen, seltsamen und unberechenbaren Jahres ist für uns der perfekte Zeitpunkt, um einen Blick auf die Trends zu werfen, die sich 2021 in der Übersetzungsbranche festigen werden – aber bitte nageln Sie uns nicht darauf fest!

 

Maschinelle Übersetzung, menschliche Bearbeitung

Das ist der bedeutendste Trend. In den letzten zehn Jahren hat die maschinelle Übersetzung (MÜ) stetig an Boden gewonnen. In den nächsten Jahren wird sie zu einer festen Grösse in der Übersetzungsbranche werden. In der 2020 European Language Industry Survey gaben 78 % der Sprachdienstleister an, bereits MÜ und Post-Editing-Tools einzusetzen oder in Zukunft verwenden zu wollen. Warum gerade jetzt?

 

Ganz einfach: Die Software ist nun gut (und kostengünstig) genug, um einen brauchbaren Zieltext zu erzeugen. Die Zeiten, in denen MÜ einen unverständlichen Wortsalat hervorbrachte, sind vorbei. Mittlerweile sind genug Daten verfügbar, die von den Programmen zum Vergleichen, Kontrastieren und Erstellen neuer Texte ausgewertet werden können.


Natürlich bedeutet das nicht, dass Agenturen zu Wortfabriken werden, die Übersetzungen am Fliessband produzieren. Ein guter Text zeichnet sich immer auch durch eine menschliche Note aus, die es hervorzubringen gilt. Deshalb werden menschliche Lektoren für den Übersetzungsprozess so wichtig sein wie eh und je. Statt wie bisher vom weissen Blatt zu arbeiten, liegt ihnen jetzt aber bereits ein Textvorschlag vor, den sie in die optimale Form bringen. Für angehende Sprachexperten ist jetzt der perfekte Zeitpunkt, um auf den Zug aufzuspringen: Nach Schätzungen des Nachrichtenanbieters Business Insider wird der Wert des Marktes für maschinelle Übersetzung bis 2024 auf USD 1.5 Mrd. steigen – bei einer jährlichen Wachstumsrate von 19 %.

 

Die Roboter kommen – künstliche Intelligenz (KI) in der Übersetzung

Moment mal: Ist KI nicht dasselbe wie MÜ? Nicht ganz: KI steht vor allem im Fokus von Unternehmen, die Software für computergestützte Übersetzung (CAT) entwickeln. Diese Programme werden von Humanübersetzern eingesetzt, um Texte von Grund auf neu zu erstellen. MÜ hat zwar ihren Nutzen, beispielsweise wenn Bedienungsanleitungen oder Stücklisten übersetzt werden sollen. Doch in einigen Bereichen zahlt es sich aus, von Anfang an einem Menschen das Heft in die Hand zu geben: im Marketing sowie bei kreativen und literarischen Texten. So kommt die 2020 European Language Industry Survey zu dem Schluss: «MÜ ist der stärkste Technologietrend, aber auch CAT bleibt weiter auf Wachstumskurs», insbesondere unter Freiberuflern.


Ein aktueller Artikel im Wirtschaftsmagazin Forbes weist darauf hin, dass die in CAT-Tools integrierte künstliche Intelligenz in den letzten Jahren immer ausgefeilter geworden ist. Basierend auf einem tiefen neuronalen Netz «lernen» die KI-Algorithmen laufend von den Dateneingaben der Humanübersetzer. KI erkennt die Vorlieben der Übersetzer für bestimmte Wörter, Ausdrücke und Formulierungen und passt ihre eigenen Algorithmen dementsprechend an.

 

Das Ergebnis ist, so Forbes, dass «[die KI] dem Humanübersetzer immer ein winziges Stück voraus ist» und ihm kontextbezogene Vorschläge macht. In dem Masse, in dem sich dieser Bereich weiterentwickelt, können Übersetzer in Zukunft mit noch mehr Unterstützung durch ihre KI-gestützten Copiloten rechnen.

 

Globalisierung gleich Übersetzung

In der neuen Wirtschaft werden Unternehmen in den nächsten 12 bis 24 Monaten alle Möglichkeiten sondieren, sich vom Coronavirus zu erholen und ihre Verluste wieder auszugleichen. Manche werden die Schwellenmärkte erschliessen – etwa die südamerikanischen Länder, die Türkei, Russland, Thailand, Mexiko und Südafrika. Englisch ist zwar die weltweite Wirtschaftssprache, aber wenn es um die Kommunikation mit Endbenutzern geht, wollen die Menschen Informationen in ihrer Muttersprache erhalten.

 

Dies geht Hand in Hand mit dem verstärkten Einsatz von maschineller Übersetzung: Früher musste ein Text vielleicht zwei oder drei Glieder in der menschlichen Übersetzungskette durchlaufen (Französisch > Englisch, Englisch > Russisch, Russisch > Ukrainisch), bevor er in der gewünschten Zielsprache vorlag. Dank MÜ sind diese Zwischenglieder unter Umständen überflüssig und der Ausgangstext kann direkt in die Zielsprache übersetzt werden. Das Ergebnis: Unternehmen, die über den eigenen Tellerrand hinaus schauen und in der Ferne neue Wurzeln schlagen wollen, haben nun die Wahl zwischen kostengünstigeren Übersetzungsoptionen.

 

Vom statischen Text zur dynamischen Interaktion

Online-Videomarketing ist seit Langem auf dem Vormarsch. Dank der flächendeckenden drahtlosen Netzabdeckung, umfassenden Datentarifen und Social-Media-Plattformen wie TikTok erwarten Nutzer heute, von jedem beliebigen Ort aus Videos auf ihren Smartphones anschauen zu können. Aus einer Infografik des E-Commerce-Gurus Oberlo geht hervor, dass 54 % der Konsumenten von ihren bevorzugten Marken und Unternehmen mehr Inhalte in Form von Videos und weniger Texte sehen wollen. Hinzu kommt, dass 87 % der Marketingfachkräfte Videos nun als wichtiges Marketinginstrument einsetzen.


Auf den ersten Blick könnte diese Entwicklung wie eine Bedrohung für die Übersetzungsbranche wirken. Schliesslich könnte die Abwendung vom Medium Text ja zu einem Nachfragerückgang führen. Tatsächlich ist das Gegenteil der Fall: Ein Grossteil der Videos ist mit Untertiteln versehen, die transkribiert und in viele Sprachen übersetzt werden müssen. Da die Menschen Inhalte dieser Art häufig in der Öffentlichkeit anschauen, schalten sie den Ton in der Regel ab und lesen Untertitel und Begleittexte, um den Inhalt zu verstehen. Auf der Produktionsseite besteht nach wie vor grosser Bedarf an der Übersetzung von Verkaufsmaterialien, Storyboards, Skripten, Pressematerial, Beiträgen und weiteren Dokumenten. Mit anderen Worten: Übersetzern wird die Arbeit in absehbarer Zeit nicht ausgehen.


Ein weiterer Trend wird in der Welt der Videoinhalte ebenfalls Wellen schlagen: die Video-Lokalisierung. Ebenso wie ein Sprachdienstleister häufig einen allgemeinen Text nimmt und ihn auf ein lokales Zielpublikum zuschneidet, können Anbieter von Videoinhalten digitale Überblendungen und Effekte nutzen, um einen an einem Ort gedrehten Film so erscheinen zu lassen, als wäre er anderswo hergestellt worden.

 

So könnten beispielsweise in einer Strasse in einer deutschen Stadt englische Schilder eingeblendet werden, damit sie vertrauter aussieht. Eine Szene in einem Forschungslabor in Moskau könnte so angepasst werden, als ob sie in Paris gedreht worden wäre. Diese als Tiefenlokalisierung bezeichnete Anpassung von Inhalten befindet sich derzeit noch in den Kinderschuhen. Diese Arbeit wird Spezialisten erfordern, die jedes Bild einer Filmaufnahme nach Elementen durchkämmen, die geändert werden müssen. Das ist aber noch Zukunftsmusik – denken Sie über 2021 hinaus ins nächste Jahrzehnt.

 

Ein zuverlässiger Partner in unsicheren Zeiten

Nach Schätzungen von Slator, einem führenden Anbieter von Informationen über die Sprachdienstleistungsbranche, könnte der Markt durch den Coronavirus-Ausbruch nach dem derzeitigen Stand der Dinge 2020 um 8 % schrumpfen, bevor er sich 2021 wieder erholt. Einige Branchen werden davon stärker betroffen sein als andere. Gemäss dem diesjährigen Slator Language Industry Market Report, der einen umfassenden Überblick über die weltweite Branche für Sprachdienstleistungen und -technologie bietet, wuchs das Marktvolumen 2019 auf USD 24.2 Mrd. Für 2022 wird ein Wachstum auf USD 25.3 Mrd. prognostiziert.

 

Neben den neuen Trends des Jahres 2021 profitieren Sprachdienstleister mit entsprechender strategischer Ausrichtung auch von bereits früher erkennbaren Entwicklungen wie der steigenden Nachfrage nach der Übersetzung von Dokumenten in stark regulierten Branchen (beispielsweise Finanzen, Life Sciences, Recht (Urheberrecht) oder der öffentliche Sektor). Die Nachfrage wird vor allem durch das sich ständig verschärfende regulatorische Umfeld angetrieben, das eine zunehmende mehrsprachige Kommunikation und Dokumentation erfordert.


Allerdings stellt sich eine Frage: Woher wissen wir eigentlich schon jetzt, welche Trends die Übersetzungsbranche 2021 bestimmen werden? Nun, wir bei der SwissGlobal Language Services AG wollen auch in Zukunft eine führende Sprachdienstleisterin sein und achten deshalb darauf, jederzeit den Finger am Puls des Marktes zu haben. Wenn wir verstehen, in welche Richtung sich die Branche entwickelt, können wir frühzeitig reagieren, unsere Prozesse anpassen und weiterentwickeln, in die neuesten Übersetzungstechnologien investieren und unsere Expertise erweitern. Zudem haben wir ein äusserst erfahrenes internes Team, ein Netzwerk starker Technologiepartner und ein robustes System für das Qualitätsmanagement. Dadurch sind wir unserer Konkurrenz immer einen Schritt voraus und ein sicherer Partner in unsicheren Zeiten.


Bei der Erholung von der Coronakrise ist es für Unternehmen wichtiger als je zuvor, sich beim Texten sowie bei Übersetzungs- und Lokalisierungsprojekten auf einen erfahrenen Sprachdienstleister verlassen zu können. Kosten zu senken oder Aufgaben intern zu erledigen, mag zwar als naheliegende Lösung erscheinen, doch wenn es um die Sprache geht, gibt es keine Abkürzungen. Wahrnehmung ist alles: Ein clever geschriebener Text kann Köpfe verdrehen, Meinungen verändern oder das richtige Publikum anlocken. Im schlimmsten Fall können sprachliche Fehlgriffe ein Unternehmen zerstören.


Als Sprachdienstleisterin bieten wir alle Lösungen aus einer Hand an: von Übersetzung, Transkreation, Remote-Simultandolmetschen und Desktop-Publishing bis hin zur Entwicklung massgeschneiderter CMS-Oberflächen und Beratung über Sprachtechnologie. Wir sind nach ISO 17100 und ISO 9001 zertifiziert und bieten damit eine Qualitätsgarantie. Unser Kundenportal ist dank Zwei-Faktor-Authentifizierung aussergewöhnlich sicher.


Ganz gleich, wie unsicher 2021 derzeit aussieht: SwissGlobal unterstützt Sie bei der Stabilisierung Ihres Unternehmens und steht Ihnen beim Aufbau einer erfolgreichen Zukunft jederzeit gerne zur Seite. Und das ist keine Vorhersage – es ist ein Versprechen.