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19.06.2019 - Unternehmenskommunikation

 

Unternehmenskommunikation lebt davon, diejenigen zu erreichen, die angesprochen werden sollen. Inzwischen finden sich jedoch viele in den traditionellen sprachlichen Formen der Rede und Anrede nicht mehr wieder. Doch so, wie sich die Gesellschaft verändert, verändert sich auch die Sprache. Sie hält inzwischen Möglichkeiten bereit, alle anzusprechen. Man muss sie nur nutzen.

 

Röcke für Übersetzer und das generische Maskulinum

Haben Sie schon einmal versucht, Übersetzern Röcke zu verkaufen? Bis auf ein paar Schottenröcke wird sich Ihr Absatz in Grenzen halten. Dabei ist doch die überwiegende Mehrzahl der Übersetzer weiblich. Und die tragen doch nicht alle ausschliesslich und immer Hosen! Was ist da bloss schiefgelaufen? Sie werden es ahnen: Die potenzielle Kundschaft hat sich möglicherweise nicht angesprochen gefühlt.

 

Das generische Maskulinum, bei dem die anderen Geschlechter «mitgemeint» sind, hat den Vorteil, vertraut zu sein. Man muss sich neben den Gedanken darüber, was man sagen möchte, nicht auch noch Gedanken machen, ob man auch wirklich alle anspricht. Und ausserdem war das doch auch früher kein Problem!

 

Das mag sein. Nur hängt das damit zusammen, dass Männer früher als die Norm gesehen wurden, Frauen hingegen als Abweichung davon – wenn auch als notwendige. Eva wurde aus Adams Rippe erschaffen um «ihm eine Gefährtin» zu sein. So einfach war das.

 

Diese Anschauung hat sich natürlich inzwischen geändert. Die Welt ist nicht mehr unterteilt in Männer als Mass aller Dinge und Nicht-Männer, sondern besteht aus Individuen, die u. a. unterschiedliche Geschlechter haben.

 

Eine Frage der Sichtbarkeit

Als zahlenmässig grösste Gruppe waren es die Frauen, die sich als Erste erfolgreich und nach aussen sichtbar nicht mehr über die Norm der Männlichkeit definierten. Sie sorgten damit für konkrete Änderungen der Gesellschaften. Diese Veränderungen zeigten sich nicht nur in ihrer gesellschaftlichen, sondern auch in ihrer sprachlichen Sichtbarkeit.

 

Das hatte auch indirekte Folgen: Da Frauen in der Sprache inzwischen sichtbar gemacht werden können, wirft es Fragen auf, wenn dies nicht geschieht. Wendet sich ein Firmenbrief an die «lieben Mitarbeiter», fragt man sich unwillkürlich «arbeiten da keine Frauen?» oder «geht der Brief nur die männliche Belegschaft an?».

 

Möchte man also nicht nur einen Teil seiner Zielgruppe erreichen, so muss man klarmachen, dass man diese Gruppe in ihrer Gesamtheit sieht. Tut man dies nicht, führt das zu Missverständnissen (s. o.).

 

Wie man sein Zielpublikum anredet, wirkt sich aber auch auf das Unternehmensbild aus. Möchte man ein Bild vermitteln, nach dem das Unternehmen dem Zielpublikum auf Augenhöhe begegnet, sich für es und seine Bedürfnisse interessiert, am Puls der Zeit ist und nach vorne denkt, so ist die Verwendung einer gendergerechten Sprache unabdingbar. Diese Sprache inkludiert, indem sie differenziert. Sie nimmt alle mit, weil sie alle anspricht.

 

Differenzierung und Verständlichkeit

Die Notwendigkeit einer Sprache, die alle Geschlechter gleichermassen berücksichtigt, ist inzwischen in der Gesellschaft weitestgehend anerkannt und wird etwa vom Bund gefördert. So heisst es in Artikel 7 des Schweizer Sprachengesetzes «Die Bundesbehörden bemühen sich um eine sachgerechte, klare und bürgerfreundliche Sprache und achten auf geschlechtergerechte Formulierungen».

 

Die Schweizer Bundeskanzlei hat die diesbezüglichen Empfehlungen für die deutsche Sprache in ihrem Leitfaden geschlechtergerechte Sprache, für die französische Sprache in ihrem Guide de formulation non sexiste und für die italienische Sprache in Abschnitt 19 der Istruzioni della Cancelleria federale per la redazione dei testi ufficiali in italiano zusammengefasst.

 

Ein häufiger Einwand gegen einen gendergerechten Sprachgebrauch ist jedoch, die Texte würden dadurch unnötig sperrig, ja unlesbar. Dies ist jedoch bei näherer Betrachtung nicht notwendigerweise so.

 

Der Griff nach den Sternen

Kommt es auf das Geschlecht der beteiligten Personen an, so gibt es inzwischen eine Vielzahl an eingeführten Möglichkeiten, dies auszudrücken. Die oben genannten Dokumente der Schweizer Bundeskanzlei sind Beispiele dafür.

 

Allerdings sind diese Vorschläge mehrheitlich der Zweiteilung der Welt in männlich und weiblich verhaftet. Diese erscheint jedoch inzwischen sowohl aus biologischer als auch aus soziologischer Sicht immer weniger haltbar. Insofern ist es nur logisch, dass inzwischen auch diejenigen «Nicht-Männer» Sichtbarkeit beanspruchen, die sich nicht als Frauen sehen oder die biologisch zwischen den Geschlechtern stehen. Will man sein Unternehmen am Puls der Zeit positionieren, so kommt man an dieser Erkenntnis kaum vorbei und sollte sie auch in der eigenen Kommunikation berücksichtigen.

 

Als typografische Kennzeichnung des gesamten Spektrums an Individuen in einer Gesellschaft setzt sich hierbei immer mehr der sogenannte Genderstern durch. Er funktioniert ähnlich wie die Kurzformen zur Benennung weiblicher und männlicher Personen, nur dass anstatt des Schrägstrichs oder des Binnen-I ein Asteriskus gesetzt wird (also etwa Langläufer*innen).

 

Christiane Hohenstein, Professorin für Interkulturalität und Sprachdiversität an der ZHAW, erklärt dazu in einem Interview mit dem Online-Magazin persoenlich.com Folgendes: «Der Stern ist das Symbol, das bei der Datenbankabfrage verwendet wird, um zu kennzeichnen, dass alle Wortformen mit beliebigen anschliessenden Buchstaben und Zeichenketten bei der Suche mit berücksichtigt werden – also sozusagen Diversität auf Wortebene ermöglicht».

 

Wie viel Benutzer*innenfreundlichkeit muss sein?

Nehmen wir einen Satz, wie den folgenden: «Die benutzer*innen geführten Menüs der Benutzer*innenschnittstelle sind sehr benutzer*innenfreundlich». Der ist unbestreitbar schwer lesbar und wäre ein Musterbeispiel für den vorgeblichen «Genderwahnsinn», den manche meinen konstatieren zu müssen. Geht man etwas nüchterner an die Sache heran, könnte man jedoch zunächst überlegen, ob überhaupt ein Geschlecht benannt werden muss. Das wäre ja nur der Fall, wenn es tatsächlich darum ginge, auszudrücken, dass die Menüs von Menschen genutzt werden, dass die Schnittstelle für Menschen ist und dass die Menüs für Menschen angenehm bedienbar sind.

 

Wenn man es recht überlegt, geht es jedoch eher darum, auszudrücken, dass die Menüs dynamisch auf Input von aussen reagieren, dass die Schnittstelle des Geräts dazu da ist, dessen Benutzung (durch Ein- und Ausgabe von Informationen) zu ermöglichen und dass die Menüführung eine leichte Bedienbarkeit ermöglicht. Eine problemlose Variante zur Vermeidung des generischen Maskulinums wie auch sperriger gendertypografischer Lösungen wäre daher etwa «Die eingabegeführten Menüs der Benutzungsschnittstelle sind sehr bedienfreundlich».

 

Man sieht, die Umsetzung sprachlicher Inklusion ist häufig problemlos möglich. Problemfälle und Aufreger ergeben sich meist dann, wenn versucht wird, die Genderzuweisung durch das generische Maskulinum einfach durch eine andere, inkludierende Genderzuweisung zu ersetzen. Gendergerecht zu schreiben ist daher auch eine Chance, bisherige Konventionen zu überdenken und einen frischen Blick auf das zu werfen, was man eigentlich sagen möchte.

 

Professionelle Sprachdienstleister: Garanten für eine Kommunikation für alle

Es gibt also heute weit mehr Möglichkeiten, seine Zielpersonen kommunikativ mitzunehmen, als dies noch vor wenigen Jahren der Fall war. Dies bedeutet aber auch, dass es weit mehr an Kreativität und Einfallsreichtum bedarf als vordem, um treffend zu kommunizieren.

 

Hinzu kommt, dass die grammatischen Strukturen, die sich aus der sprachlichen Inklusion ergeben, oft komplexer sind als die des generischen Maskulinums. Sie zu beherrschen erfordert ein hohes Mass an sprachlichem Know-how.

 

Auch in terminologischer Hinsicht gibt es hier Herausforderungen: Um etwa die Unternehmensterminologie – immerhin ein Kernstück der Unternehmenskommunikation – konsistent zu halten, bedarf es u. a. besonders konsequenter Terminologiearbeit. Schliesslich ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass bei der Einführung inkludierender Kommunikation gerade am Anfang viele Ad-hoc-Termini gebildet werden, die sich in die Gesamtterminologie des Unternehmens einfügen müssen und deren Verwendung sicherzustellen ist.

 

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